KNX ist einer der weltweit führenden offenen Standards für die Haus- und Gebäudeautomation. In der meistverwendeten kabelgebundenen Variante kommunizieren Sensoren wie Taster oder Bewegungsmelder digital über eine Busleitung mit Aktoren, die beispielsweise Leuchten, Jalousien oder Heizventile steuern. Das funktioniert herstellerübergreifend: Mehr als 500 Hersteller bieten gemeinsam über 8.000 zertifizierte KNX-Produkte an.
Das Wichtigste in Kürze:
- KNX ist kein Hersteller und keine fertige Smart-Home-Lösung, sondern ein offener Kommunikationsstandard, den viele Hersteller gemeinsam nutzen.
- Bei der üblichen kabelgebundenen KNX-Installation werden Stromversorgung und Steuerung getrennt geführt – dadurch lassen sich viele Funktionen später flexibel umprogrammieren oder neu verknüpfen.
- Die Vorteile liegen vor allem in Flexibilität, Zukunftssicherheit und Herstellervielfalt; Nachteile sind höhere Anfangskosten sowie ein größerer Planungs- und Inbetriebnahmeaufwand.
- Wie ein KNX-System verkabelt und dimensioniert wird, hängt stark vom Gebäude und Funktionsumfang ab – neben technischen Grundlagen ist daher praktische Erfahrung besonders wichtig.
Warum du dich mit KNX beschäftigen solltest
Wenn du gerade neu- oder umbaust, stellst du dir früher oder später die Frage, wie Licht, Heizung, Jalousien und Sicherheitstechnik später zentral und automatisiert steuerbar werden sollen. Viele Bauherren stoßen dabei zum ersten Mal auf den Begriff KNX – oft ohne zu wissen, dass es sich dabei nicht um ein einzelnes Produkt, sondern um einen ganzen Industriestandard handelt.
In diesem Artikel erklären wir dir, was KNX genau ist, wie das Bus-System technisch funktioniert, welche Vor- und Nachteile es hat und wann sich der Standard für dein Projekt lohnt. Für die Themen Kosten und Vergleich mit anderen Systemen findest du am Ende passende weiterführende Artikel, damit dieser Beitrag als reine KNX-Grundlage nicht unnötig in die Länge wächst.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist KNX?
- Was ist der Unterschied zwischen EIB und KNX?
- Wie funktioniert ein KNX-Bussystem?
- Aus welchen Komponenten besteht eine KNX-Anlage?
- KNX-System vs. konventionelle Elektroinstallation
- Wo wird KNX eingesetzt?
- Welche Vor- und Nachteile hat KNX?
- Wieso KNX der zukunftssichere Standard ist
- Wie sicher ist ein KNX-System?
- Was kostet eine KNX-Installation?
- Fazit
- Häufig gestellte Fragen
Was ist KNX?
KNX ist die Bezeichnung des weltweiten Bus-Standards der KNX Association, vormals Konnex Association. KNX ist kein Hersteller und keine fertige Smart-Home-Lösung, sondern ein Standard, der dafür sorgt, dass KNX-zertifizierte Produkte verschiedener Hersteller miteinander kommunizieren können. Mehr als 500 Hersteller bieten gemeinsam über 8.000 KNX-zertifizierte Produkte an. Damit gehört KNX zu den weltweit größten offenen Bus-Systemen.
Der Name KNX geht auf die frühere Bezeichnung „Konnex“ zurück. Der KNX-Standard entstand nach dem Zusammenschluss der europäischen Bussysteme EIB, BatiBUS und EHS, wobei EIB die wesentliche technische Grundlage bildete.
Was ist der Unterschied zwischen EIB und KNX?
Zwischen EIB und KNX besteht bei der klassischen kabelgebundenen Installation praktisch kein technischer Unterschied – die unterschiedlichen Namen haben sich historisch entwickelt. 1990 gründeten mehrere Hersteller die European Installation Bus Association (EIBA), um den Europäischen Installationsbus (EIB) zu entwickeln.
1999 schlossen sich EIBA, EHSA und BCI zur Konnex Association zusammen, um einen einheitlichen, offenen Bus-Standard zu etablieren. 2002 erschien die erste Version der daraus hervorgegangenen KNX-Spezifikation. Durch die hohe Rückwärtskompatibilität funktionieren auch heute noch viele in den 90er-Jahren verbaute EIB-Geräte mit modernen KNX-Komponenten.
Wie funktioniert ein KNX-Bussystem?
Ein KNX-System trennt Stromversorgung und Steuerungssignale konsequent auf zwei unterschiedliche Leitungen. Verbraucher wie Lampen oder Jalousiemotoren werden weiterhin ganz normal über 230-Volt-Leitungen mit Strom versorgt. Zusätzlich gibt es das markante grüne KNX-Kabel, über das digitale Bus-Telegramme übertragen werden und das die Busgeräte mit rund 29 Volt Gleichspannung versorgt.
Wird beispielsweise ein KNX-Taster betätigt, sendet dieser ein Telegramm über die Busleitung. Ein oder mehrere Aktoren empfangen den Befehl und schalten daraufhin die angeschlossene Lampe, fahren die Jalousie oder verändern die Heizungsregelung. Welche Sensoren und Aktoren miteinander verknüpft sind, wird in der Software ETS über Gruppenadressen festgelegt.
Der entscheidende Unterschied zur konventionellen Elektroinstallation liegt in der Trennung von Verkabelung und Funktion (mehr dazu im nächsten Abschnitt). Bei einer klassischen Installation ist die Funktion des Schalters durch die elektrische Verdrahtung festgelegt. Bei KNX lässt sich die Zuordnung in der ETS verändern. Ein Taster kann dadurch beispielsweise nur eine Lampe, mehrere Leuchten oder eine komplette Szene steuern, ohne dass dafür neue Leitungen verlegt werden müssen.
Im folgenden Video werden die Grundlagen eines KNX-Bussystems noch einmal anschaulich zusammengefasst.
Wichtig für die Praxis: KNX ist grundsätzlich ein ereignisbasiertes Bussystem. Ein Telegramm liegt nicht dauerhaft an, sondern wird bei einem Ereignis gesendet und ist danach „verschwunden“ – anders als etwa bei DMX-Systemen aus der Veranstaltungstechnik, die Zustände mehrfach pro Sekunde wiederholt senden. Je nach Parametrierung können KNX-Geräte Telegramme allerdings auch zyklisch senden. Für die typischen, nicht echtzeitkritischen Steuerungsaufgaben im Wohnbau wie Licht, Jalousien und Heizung reicht das völlig aus.
Aus welchen Komponenten besteht eine KNX-Anlage?
Jede KNX-Anlage besteht im Kern aus drei Bausteinen: Sensoren (z. B. Taster, Präsenzmelder, Wetterstation), Aktoren (z. B. Schaltaktoren für Licht, Jalousieaktoren, Heizungsaktoren) und einer Spannungsversorgung.
KNX ist dabei grundsätzlich dezentral aufgebaut: Die Geräte verfügen über eine eigene Intelligenz, sodass die restliche Anlage in der Regel weiterläuft, wenn ein einzelnes Gerät ausfällt. Ein zusätzlicher Logik- oder Visualisierungsserver schafft allerdings für die von ihm übernommenen Funktionen einen weiteren möglichen Single-Point-of-Failure.

Ausfallsicherheit und Erweiterungen
Aus unserer Erfahrung lohnt sich deshalb ein Blick darauf, welche Logik wirklich auf dem Server laufen muss und welche direkt in den KNX-Geräten selbst. Wichtige und besonders ausfallsensible Funktionen – etwa ein Panikszenario – sollten grundsätzlich direkt in den KNX-Geräten beziehungsweise über die ETS parametriert werden, nicht im Visualisierungsserver. So bleibt die Funktion auch dann erhalten, wenn der Server ausfällt oder nicht erreichbar ist.
Eine Frage, die uns Bauherren oft stellen: Was passiert mit dem Licht, wenn die Busspannung ausfällt? Viele befürchten, dass bei einem KNX-Ausfall gleich das ganze Haus im Dunkeln steht, und erwägen deshalb einen zusätzlichen, vom Bus unabhängigen Lichtschalter als Rückfallebene.
Das ist in der Praxis normalerweise nicht nötig: Viele KNX-Schaltaktoren behalten bei einem Busspannungsausfall ihren aktuellen Schaltzustand bei. Ein bereits eingeschaltetes Licht kann also weiterhin anbleiben, selbst wenn die Busspannung ausfällt. Wie sich der jeweilige Aktor konkret verhält, hängt allerdings vom Gerät und seiner Parametrierung ab.
Für die reine Anbindung eines Visualisierungsservers an den Bus reicht in der Regel ein sogenanntes IP-Interface. Sollen dagegen mehrere KNX-Linien über IP gekoppelt werden, brauchst du einen IP-Router – ein reines Interface reicht dafür nicht aus.
Neben der klassischen Verkabelung gibt es mit EnOcean eine batterielose Funkergänzung, die sich vor allem in Räumen eignet, deren Nutzung sich später noch ändern kann, etwa in einem Kinderzimmer. In unseren Projekten setzen wir EnOcean-Taster gerne dort ein, wo nachträglich noch Flexibilität gefragt ist. Die Reichweite liegt unter idealen Bedingungen in offenen Innenräumen bei rund 30 Metern, reduziert sich aber deutlich durch dicke Wände oder Stahlbeton – das muss im Einzelfall getestet werden, insbesondere in Gebäuden mit hohem Stahlbetonanteil.
KNX-System vs. konventionelle Elektroinstallation
Nachfolgend stellen wir den grundlegenden Unterschied zwischen einer konventionell verkabelten Elektroinstallation und einem mit Bus-System ausgestatteten Gebäude noch einmal gesondert heraus.
Was bedeutet „konventionell“ und was bedeutet „Bus-System“?
Konventionell meint in diesem Fall ein herkömmliches Haus mit einer minimalen elektrotechnischen Grundausstattung. Das beinhaltet Lichtschalter, Steckdosen, Lampen und vielleicht ein oder zwei Jalousietaster. Bus-System meint in diesem Fall den zusätzlichen technischen Aufbau, der parallel zur Stromversorgung der Verbraucher durch das Gebäude läuft. Dabei kommen unter anderem Temperatursensoren, Bewegungsmelder, Helligkeitssensoren und – wichtig – Aktoren zum Ein- und Ausschalten der Verbraucher und Leuchten hinzu.
Im Fall von KNX hat sich für das spezielle Steuerkabel, das alle Geräte im Haushalt vernetzt, die Farbe Grün etabliert – fachlich korrekt ist die KNX-Busleitung. Dabei handelt es sich um ein geschirmtes „Y-(st)-Y“-Kabel mit 4 Adern.
Wie kommunizieren die KNX-Geräte miteinander?
Alle am grünen Kabel hängenden Geräte können untereinander digitale Informationen austauschen. Das ist möglich, weil sie, ähnlich wie Computer in einem Firmen-Intranet, physisch miteinander verbunden sind. Wird beispielsweise der Lichttaster im Wohnzimmer betätigt, sendet dieser einen digitalen Befehl an den Schaltaktor der Wohnzimmerlampe, der daraufhin die Stromzufuhr für die Lampe herstellt oder unterbricht.
Der entscheidende Unterschied: feste Verdrahtung oder flexible Verknüpfung
Moment mal. Ist das bei der konventionellen Elektroinstallation nicht genau gleich? Schließlich geht auch dort das Licht an, wenn der Lichtschalter betätigt wird.
Das stimmt. Aber: In der konventionellen Installation hängt die Funktion des Schalters direkt von der elektrischen Verdrahtung ab. Der Schalter ist fest mit einer oder mehreren Lampen verbunden.
Beim Bus-Netzwerk ist das nicht der Fall. Dort besitzt der Lichttaster, also der KNX-Tastsensor, eine vom Stromkreis der Lampe getrennte Busverbindung mit rund 29 Volt Gleichspannung. Das verbindende Element ist das spezielle Bus-Steuerkabel. Befehle werden über dieses Steuerkabel ausgetauscht.
Dementsprechend leitet der Taster den Schaltbefehl nicht über die 230-Volt-Stromleitung weiter, sondern sendet ein digitales Telegramm über das grüne KNX-Kabel an den Aktor. Der Aktor ist auch räumlich vom Taster getrennt und sitzt meist in der Elektroverteilung und nicht im Raum selbst.

Installation einer KNX Installation vs. Verkabelung auf konventionellem Weg
Was lässt sich mit KNX flexibel steuern?
Durch die digitale Verknüpfung kann in einem Bus-System grundsätzlich jedes Gerät Informationen an andere Geräte senden. Das Telegramm des gedrückten Lichttasters wird über den Bus übertragen, wobei nur die dafür programmierten Geräte darauf reagieren. Dadurch lassen sich mit einem Tasterbefehl eine Lampe, zwei Lampen in einem Raum oder gleich alle Lampen im gesamten Haushalt steuern.
In der zugehörigen Software wird dazu definiert, welche Aktoren auf welche Taster reagieren. Auch eine Umprogrammierung oder Neukonfiguration der Funktionen ist jederzeit möglich, sofern die dafür benötigte Hardware vorhanden ist.
An dieser Stelle stehen zwei Videos aus unserem KNX-Onlinekurs zur Verfügung, in denen wir die Grundlagen noch einmal grafisch aufbereitet erläutern.
Grundlagenvideos
Zunächst erläutern wir in einem Video die grundlegenden Unterschiede in der Verkabelung, indem wir eine konventionelle Installation einer KNX-Installation gegenüberstellen.
Als Nächstes betrachten wir die Unterschiede der Elektroverteiler bei beiden Installationsarten. Bei einem KNX-Verteiler kommen in der Regel zusätzliche Aktoren und weitere KNX-Komponenten zum Einsatz. Häufig werden außerdem Reihenklemmen verwendet, die allerdings auch in einer konventionellen Elektroverteilung sinnvoll sein können.
Sie sorgen dafür, dass alle Stromkreise, also die Leitungen, die vom Verteiler in die Räume führen, sauber und strukturiert im Verteiler aufgelegt sind. Ein wenig ist das vergleichbar mit einem Patchpanel in einem Computernetzwerk, wo ebenfalls alle Kabel zunächst „gesammelt“ und erst im zweiten Schritt per Patchkabel mit den Anschlüssen des Switches verbunden werden.
Ähnlich ist es in einer KNX-Unterverteilung: Die Stromversorgung führt von den Sicherungen zu den Aktoren. Von deren geschalteten Ausgängen werden die entsprechenden Außenleiter über die Reihenklemmen mit den Leitungen zu den Verbrauchern verbunden.
Wo wird KNX eingesetzt?
KNX kommt sowohl im privaten Wohnbau als auch im gewerblichen Bereich zum Einsatz – von einfachen Licht-Schaltaufgaben bis zu komplexen Heizautomatiken auf Basis von Temperatursensoren oder eingebundenen Wettervorhersagen. Seit der Gründung der KNX Association im Jahr 1999 hat sich der Standard kontinuierlich erweitert: Klimatisierung, die Einbindung von Sicherheitstechnik wie Rauchmeldern, Alarmanlagen oder Zutrittskontrollen, Gartentechnik, Multiroom-Audio sowie die Steuerung per iPad oder Smartphone sind heute Teil vieler KNX-Anlagen.
Der Fokus liegt im privaten Sektor meist auf dem gehobenen Wohnbau, weil die Sockelkosten für Grundfunktionen wie Beleuchtung, Jalousiesteuerung und Heizungsregelung bei sehr kleinen Projekten weniger wirtschaftlich sind.
Welche Vor- und Nachteile hat ein KNX-System?
In nachfolgender Tabelle haben wir die wichtigsten Vor- und Nachteile gesammelt:
| KNX | |
|---|---|
| Vorteile | Herstellerunabhängig (500+ Hersteller, 8.000+ zertifizierte Produkte); rückwärtskompatibel und zukunftssicher; herstellerunabhängige und leistungsfähige ETS-Software; viele Schnittstellen zu anderen Systemen wie DALI, Apple HomeKit oder Philips Hue; großes Dienstleister-Netz in Deutschland |
| Nachteile | Höhere Anschaffungskosten durch zusätzliche Komponenten und einen größeren Planungs- und Inbetriebnahmeaufwand; höhere Installationskomplexität als bei einer klassischen Elektroinstallation; vergleichsweise geringe Datenübertragungsrate von 9.600 Bit pro Sekunde beziehungsweise maximal rund 50 Telegrammen pro Sekunde; zusätzliche Kosten für die ETS-Software |
Die Nachteile liegen damit vor allem in den höheren Kosten und der größeren Planungs- und Installationskomplexität, weniger in der Funktionalität. Für datenintensive Aufgaben wie Kamerabilder oder Musik-Streaming ist ohnehin das parallel vorhandene IP-Netzwerk im Haus zuständig, nicht der KNX-Bus selbst.
Entscheidend ist allerdings, dass eine KNX-Anlage sorgfältig geplant wird, damit sie im Alltag zuverlässig und möglichst störungsfrei funktioniert. Dabei gibt es zwei Wege: Entweder wird die Anlage vollständig von einem Profi geplant und programmiert, oder die Planung und Programmierung werden selbst übernommen, während ein Dienstleister gezielt unterstützt. Beide Möglichkeiten stellen wir in unserem Blogartikel Smart-Home-Planung: DIY oder Profi-Beauftragung? ausführlicher vor.
Wieso KNX der zukunftssichere Standard ist
Neben der Flexibilität ist vor allem die Zukunftssicherheit ein sehr wichtiges, wenn nicht sogar das wichtigste Kriterium bei der Wahl einer Technologie für die Gebäudeautomation.
Der Grund dafür liegt auf der Hand: Sobald während der Bauphase die Kabel für das spätere Smart Home verlegt und damit die entsprechende Grundlage geschaffen wurden, lässt sich diese Infrastruktur in den nächsten zehn, zwanzig oder dreißig Jahren nicht mehr ohne Weiteres verändern.
Oder anders gesagt: Eine grundlegende Umstellung wäre zumindest mit enormen Kosten verbunden, da dafür Wände und Decken geöffnet und große Teile der Verkabelung erneuert werden müssten.
Gerade weil dieses Thema so elementar ist, wollen wir es zunächst genauer unter die Lupe nehmen. Wie grenzt sich KNX von anderen Systemen für die Gebäudeautomation ab und was macht es so zukunftssicher?
Das hängt vor allem von drei Faktoren ab: der Infrastruktur, der Systemart und dem Grad der Standardisierung. Im Folgenden klären wir diese drei Begriffe zunächst im Allgemeinen.
Infrastruktur
Die Infrastruktur ist das Skelett eines Smart Homes. Dabei gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten: kabelgebundene Bus-Systeme oder Funklösungen.
Bei Bus-Systemen wie KNX wird während der Bauphase zusätzlich zu den Stromleitungen eine Busleitung durch das Gebäude verlegt. Sie verbindet unter anderem Taster, Sensoren und weitere KNX-Geräte miteinander. Die Stromleitungen zu Leuchten, Jalousiemotoren, Steckdosen und anderen Verbrauchern werden häufig zentral in die Elektroverteilung geführt und dort über Aktoren geschaltet.
Bei Funklösungen kommunizieren die Smart-Home-Geräte dagegen drahtlos miteinander oder über eine Basisstation. Je nach System erfolgt die Bedienung zusätzlich über das Heimnetzwerk und eine Smartphone-App.
Funk kann eine gute Lösung für kleinere Projekte und für die Nachrüstung bestehender Gebäude sein. Bei einem Neubau mit zahlreichen Tastern, Jalousiemotoren, Beleuchtungsanlagen, Heizkreisen und weiteren Funktionen bietet eine kabelgebundene Infrastruktur jedoch meist eine stabilere und langfristig besser erweiterbare Grundlage. Wird beim Hausbau vollständig auf die entsprechende Verkabelung verzichtet, lässt sich ein kabelgebundenes Bus-System später nur noch mit erheblichem Aufwand nachrüsten.
Systemart
Smart-Home-Systeme lassen sich grundsätzlich in offene und proprietäre Systeme unterteilen. Bei offenen Standards wie KNX können unterschiedliche Hersteller Produkte auf Grundlage gemeinsamer Spezifikationen entwickeln. Das führt zu einer großen Produktvielfalt, wie sich bei KNX an der umfangreichen Auswahl an Geräten verschiedener Hersteller zeigt.
Bei proprietären Systemen wie Loxone, Crestron oder Homematic IP wird das System dagegen maßgeblich von einem einzelnen Hersteller entwickelt und kontrolliert. Auch solche Systeme können Geräte und Schnittstellen von Drittanbietern einbinden. Die grundlegende Weiterentwicklung des Systems, seiner Software und seiner zentralen Komponenten hängt jedoch stärker vom jeweiligen Anbieter ab. Stellt dieser den Betrieb oder die Produktentwicklung ein, kann das langfristig zu Einschränkungen führen.
Grad der Standardisierung
Der Grad der Standardisierung ist eng mit der Offenheit eines Systems verbunden. Entscheidend ist jedoch nicht nur, dass mehrere Hersteller Geräte für ein System anbieten können. Ebenso wichtig ist die Frage, nach welchen gemeinsamen Regeln diese Produkte entwickelt und geprüft werden und wie zuverlässig sie mit Geräten anderer Hersteller zusammenarbeiten.
Bei KNX übernimmt diese Aufgabe die KNX Association. Neue KNX-Produkte durchlaufen ein Zertifizierungsverfahren, bei dem unter anderem ihre Konformität mit dem Standard und ihre Interoperabilität geprüft werden. Erst zertifizierte Produkte dürfen das KNX-Logo tragen. Dadurch können Geräte verschiedener Hersteller innerhalb einer KNX-Anlage miteinander kommunizieren.
Auch andere offene Standards wie Zigbee verfügen über eigene Zertifizierungsverfahren. Die Besonderheit von KNX liegt deshalb weniger darin, dass nur KNX standardisiert ist, sondern vor allem in der langjährigen Etablierung in der Gebäudeautomation, der großen Herstellervielfalt und der hohen Rückwärtskompatibilität.
Wenn du dir noch unsicher bist, welches Smart-Home-System für dich das richtige ist, schau gerne in unserem Blogbeitrag Smart-Home-Systeme im Vergleich vorbei.
Wie sicher ist ein KNX-System?
Wer über die Anschaffung eines KNX-Systems nachdenkt, hat häufig Bedenken, dass moderne Gebäudeautomationssysteme nicht ausreichend sicher sind.
Ganz unbegründet ist diese Sorge nicht: Der klassische KNX-Bus überträgt Daten grundsätzlich unverschlüsselt. Wer physischen Zugriff auf das grüne Buskabel erhält, kann Telegramme mitlesen und selbst Befehle senden.
Da viele Anlagen über ein KNX-IP-Interface oder einen KNX-IP-Router mit dem hausinternen Netzwerk gekoppelt sind, ist theoretisch auch über einen unbefugten Netzwerkzugriff ein Zugriff auf die KNX-Anlage möglich. Die KNX Association hat darauf mit KNX Data Secure und KNX IP Secure reagiert. KNX Data Secure schützt die Kommunikation zwischen den Geräten, während KNX IP Secure die Kommunikation über das IP-Netzwerk absichert. Beide sollten eingesetzt werden, wenn die verwendeten Komponenten sie unterstützen.
In der Praxis ist die Sicherheit einer KNX-Anlage vor allem eine Frage der Netzwerksicherheit insgesamt. Eine saubere Netzwerkstruktur, eine Firewall, sichere Passwörter, getrennte Netzwerke und ein geschützter Fernzugriff über VPN sorgen für ein in der Praxis sehr geringes Risiko. Mehr dazu in unserem Blogbeitrag zum Thema Sicherheit im KNX-System.
Was kostet eine KNX-Installation?
Wie stark eine KNX-Installation die Baukosten erhöht, hängt stark vom Projekt ab und lässt sich seriös nicht in einem Satz beantworten – eine ausführliche, aktuelle Einordnung inklusive findest du in unserem separaten Artikel Was kostet ein Smart Home mit KNX-Bussystem?.
Wer Eigenleistung in das Projekt einbringt, kann die Kosten jedoch deutlich reduzieren. Welche Sparpotenziale dabei bestehen, zeigt unser Artikel KNX günstig selbst planen.
Fazit
KNX ist ein herstellerunabhängiger, seit Jahrzehnten etablierter Bus-Standard, der dir maximale Flexibilität bei der Gebäudeautomation gibt – zum Preis einer höheren Anschaffungsinvestition und etwas höherer Installationskomplexität gegenüber klassischer Elektrotechnik. Für die meisten Neubau- und Kernsanierungsprojekte mit Anspruch an Zukunftssicherheit ist das aus unserer Erfahrung eine Investition, die sich lohnt.
Wenn du wissen willst, welche konkreten Anwendungen sich damit realisieren lassen – von Lichtsteuerung über Beschattung bis zur iPad-Steuerung –, findest du das in unserem Beitrag Smart Home mit KNX – Welche Möglichkeiten ergeben sich?
Häufig gestellte Fragen zu KNX:
Ist KNX das Produkt eines einzelnen Herstellers?
Nein. KNX ist ein herstellerunabhängiger Standard. Du kannst Geräte verschiedener KNX-zertifizierter Hersteller frei miteinander kombinieren.
Kann ich ein bestehendes KNX-System später erweitern?
Ja – das ist einer der zentralen Vorteile des Standards. Neue Funktionen lassen sich über die ETS-Software nachträglich programmieren, solange die passende Verkabelung und ausreichend Kapazität auf der jeweiligen Linie vorhanden sind.
Darf ich die KNX-Buskabel im Kreis verlegen?
Nein. Die Busleitung darf nur zu Sensoren und Verbrauchern führen, niemals einen Ring (Kreis) bilden. Erlaubt sind Linien- und Baumstrukturen mit beliebig vielen Verzweigungen.
Ist KNX oder Loxone besser für mein Projekt?
Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einen ausführlichen Vergleich findest du in KNX und Loxone im Check.
Kann man KNX selbst programmieren?

Blogautorin










Dieser Artikel hat viele meiner Fragen zum Thema „KNX Grundlagen“ beantwortet. Ich habe den Artikel sehr gerne gelesen und interessante Ideen daraus schöpfen können. Macht weiter so.