Inhaltsverzeichnis
- Was ist eine KNX-Wetterstation?
- Welche Werte misst eine KNX-Wetterstation und wofür?
- Brauchst du eine KNX-Wetterstation? Raffstore, Rollladen und Markise im Vergleich
- Warum ersetzen Online-Wetterdaten keine KNX-Wetterstation?
- Wo montierst du eine KNX-Wetterstation richtig?
- Was solltest du für die KNX-Wetterstation im Rohbau vorbereiten?
- Wie viele Windsensoren braucht dein Haus?
- Welche KNX-Wetterstation passt zu deinem Projekt?
- Fazit: So triffst du die Entscheidung
- Häufig gestellte Fragen
Eine KNX-Wetterstation misst Wind, Helligkeit, Regen und Temperatur direkt an deinem Haus und schützt so Raffstores und Markisen vor Sturmschäden. Außerdem steuert sie die Beschattung nach Helligkeit, und deshalb lohnt sie sich auch mit Rollläden. Ob sie zuverlässig arbeitet, entscheidet übrigens selten das Modell. Meistens entscheidet die Montage.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine KNX-Wetterstation misst typischerweise Wind, Helligkeit, Regen und Temperatur und löst damit Schutz- und Beschattungsfunktionen aus.
- Für Raffstores und Markisen ist eine Windmessung am Gebäude Pflicht.
- Bei Rollläden steht die Beschattung nach Helligkeit im Vordergrund.
- Online-Wetterdaten ersetzen keine Wetterstation, weil Wind und Regen sehr lokal sind.
- Laut Elsner sind die meisten vermeintlich defekten Wetterstationen falsch montiert.
- Für die Außentemperatur empfehlen wir einen eigenen Fühler im Schatten, weil die Wetterstation in der Sonne zu hohe Temperaturen misst.
Ehrlich gesagt: Die Wetterstation ist nicht das Gerät, über das Bauherren beim Abendessen schwärmen. Sie sitzt irgendwo oben am Dach, und kaum jemand schaut sie je wieder an. Trotzdem hängt an ihr, ob deine Raffstores den nächsten Herbststurm überstehen und ob deine Beschattung im Sommer mitdenkt oder nervt.
Wir bei CASAIO planen KNX-Smart-Homes und unterstützen Bauherren bei der eigenen Planung. Und kaum ein Bauteil sorgt dabei so zuverlässig für Fragen wie die Wetterstation. Thomas Lübbeke, Geschäftsführer von CASAIO, hat deshalb für unser YouTube-Video Bastian Elsner eingeladen. Bastian ist Gesellschafter von Elsner Elektronik, einem Hersteller, der seit über 35 Jahren Außensensorik entwickelt. In diesem ersten Teil geht es um die Grundlagen. Messverfahren und konkrete Modelle schauen wir uns mit dem zweiten Video an.
Was ist eine KNX-Wetterstation?
Eine KNX-Wetterstation ist ein Außensensor, der Wetterdaten direkt am Gebäude misst und als Messwerte und Alarme an dein KNX-System schickt. Auf dieser Grundlage fahren Raffstores, Rollläden und Markisen automatisch. So schützen sie sich selbst vor Sturm und Frost und beschatten, wenn die Sonne scheint.
Mit der Hobby-Wetterstation, die dir morgens Temperatur und Regenwahrscheinlichkeit aufs Handy schickt, hat sie wenig gemeinsam. Sie gehört zur Gebäudesteuerung und arbeitet über den KNX-Bus mit deinen Aktoren zusammen. Wie das Bussystem funktioniert, erklären wir in Was ist KNX?.
Bastian bringt es schön auf den Punkt: Die Außensensorik ist so etwas wie die „Augen und Ohren“ des Gebäudes. Ohne ihre Messwerte tappt jede automatische Beschattung im Dunkeln. Oder eben im grellen Licht.
Welche Werte misst eine KNX-Wetterstation und wofür?
Eine vollwertige KNX-Wetterstation misst Wind, Helligkeit, Regen und Temperatur. Mit den Messwerten für Wind, Regen und Temperatur schützt sie deine Behänge vor Sturm, Nässe und Frost. Der Helligkeitswert sorgt für Komfort und spart Energie.
| Messwert | Wofür du ihn brauchst | Art der Funktion |
|---|---|---|
| Wind | Behänge bei Sturm in die sichere Position fahren | Sicherheit |
| Helligkeit | Nur dort beschatten, wo die Sonne auf die Fassade scheint | Komfort, Energie |
| Regen | Markise einfahren, Stoff schützen | Sicherheit |
| Temperatur | Frostalarm: Behänge bei Frost nicht ausfahren | Sicherheit |
Wind: Der Windwächter schützt Raffstores und Markisen
Raffstores bestehen aus außenliegenden Lamellen, die meist an Seilen oder Schienen laufen. Bläst ein Sturm an der Fassade vorbei, schlagen die Lamellen hin und her, und irgendwann reißen Seile oder Bänder. Wer schon mal einen Behang ersetzen musste, weiß: Das geht ordentlich ins Geld.
Genau dafür gibt es den Windwächter. Er misst die Windgeschwindigkeit, und sobald sie den im Projekt festgelegten Grenzwert überschreitet, fährt er die Behänge nach oben in die sichere Position. Vollwertige Wetterstationen haben die Windmessung an Bord. Brauchst du nur diese Funktion, gibt es auch reine Windwächter.
Helligkeit: Beschattung nur dort, wo die Sonne wirklich scheint
Knallt die Sonne auf eine Glasfläche, heizt sich der Raum dahinter auf. Das kennt jeder, der im Sommer schon mal hinter einem großen Fenster saß. Diesen Wärmeeintrag hältst du draußen, indem du die Fläche verschattest. Und ganz nebenbei blendet dich nichts mehr.
Dabei soll aber nicht das ganze Haus dunkel werden, nur weil irgendwo die Sonne scheint. Deshalb beschattet die Anlage über die Helligkeitsmessung nur die Fassade, auf die die Sonne gerade tatsächlich scheint. Bastian nennt das „bedarfsgerechte Steuerung“. Die übrigen Räume bleiben hell, und du musst im Sommer kein Licht einschalten. Wie die Beschattung in ein Gesamtkonzept passt, liest du im Artikel zum Energiemanagement im Smart Home.
Regen: Ein Ja/Nein-Signal als Schutzfunktion
Der Regensensor einer KNX-Wetterstation misst keine Regenmenge. Er kennt nur zwei Zustände: Es regnet, oder es regnet nicht. Mehr braucht er auch nicht. Fängt es an zu regnen, fährt zum Beispiel die Markise ein, damit der Stoff nicht durchnässt und kein Schimmel entsteht.
Temperatur: Wichtig für den Frostalarm, ungeeignet für die Außentemperatur
Die Temperatur braucht die Wetterstation vor allem für den Frostalarm. Bei Frost fahren die Behänge nicht aus, damit sie nicht in ihren Führungsschienen festfrieren. Richtig kritisch wird das, wenn noch Feuchtigkeit dazukommt.
Für die Messung der Außentemperatur, etwa für die Heizungssteuerung oder die Anzeige im Haus, taugt die Wetterstation dagegen kaum. Das klingt erst mal paradox, hat aber einen einfachen Grund: Sie sitzt bewusst am Dach und somit auch in der Sonne, damit sie die Helligkeit erfassen kann. Dort heizt sich ihr Gehäuse auf, und sie meldet mehr Grad, als die Luft tatsächlich hat. Unsere Empfehlung: Plane für die Außentemperatur einen eigenen Temperaturfühler im Schatten ein.
Brauchst du eine KNX-Wetterstation? Raffstore, Rollladen und Markise im Vergleich
Ja, sobald du Raffstores oder eine Markise hast. Dann ist die Windmessung die Mindestausstattung. Mit Rollläden lohnt sich eine Wetterstation vor allem wegen der Beschattung nach Helligkeit.
| Behang | Windmessung | Regen | Helligkeit |
|---|---|---|---|
| Raffstore | notwendig | optional | sinnvoll für die Beschattung |
| Markise | notwendig | sinnvoll | sinnvoll für die Beschattung |
| Rollladen | weniger kritisch | optional | sinnvoll für die Beschattung |
Thomas hat dafür eine klare Faustregel: Hast du Raffstores, brauchst du etwas, das den Wind direkt an deinem Haus misst.
Bei Rollläden sieht Bastian das Thema Wind entspannter, weil sie deutlich unempfindlicher sind als Raffstores. Eine Wetterstation lohnt sich laut Bastian trotzdem. Mit der Beschattung nach Helligkeit lässt du gezielt Tageslicht herein, hältst die Wärme draußen und brauchst weniger künstliches Licht. Welche Rolle die Beschattung unter den Komfortfunktionen spielt, zeigt unser Überblick über die wichtigsten Smart-Home-Funktionen.
Warum ersetzen Online-Wetterdaten keine KNX-Wetterstation?
Für Wind und Regen reichen Online-Wetterdaten nicht, weil diese Werte sehr lokal sind. Die nächste Messstation weiß schlicht nicht, ob gerade eine Böe um deine Hausecke pfeift.
Und dafür muss sie nicht mal weit weg stehen. Laut Bastian genügen schon 500 Meter, damit die Messstation die Bedingungen rund um dein Haus nicht mehr kennt. Deshalb gilt: Der Sensor gehört an das Objekt, das er schützen soll.
Wo montierst du eine KNX-Wetterstation richtig?
Eine KNX-Wetterstation gehört an eine hohe, freie und unverschattete Stelle, am besten auf einen Mast im Dachbereich. Wie viel davon abhängt, zeigt ein Blick in den Elsner-Service: Meldet ein Kunde eine defekte Station, fragt der Service zuerst nach einem Foto der Montage. Laut Bastian klärt sich damit schon der Großteil der Fälle.
Frei und hoch, nicht unter dem Dachüberstand
Unter dem Dachüberstand liegt die Station im Schatten, und der Regen erreicht sie nicht. Besser ist eine Position weiter vorne am Giebel, noch besser ein Mast. Als Mast eignet sich auch die Stange einer Satellitenschüssel.
Nach unserem Planungsstandard meidest du Positionen neben Schornsteinen, Lüftungsauslässen, Attiken oder PV-Modulen, unter Gauben und in versetzten Dachbereichen. Dort entstehen Windschatten, Verwirbelungen oder Wärmestau. Und bitte kein gut gemeintes Dächlein über der Station, damit sie ja nicht nass wird. Bastian hat solche Eigenbauten schon erlebt. Der Regensensor freut sich darüber eher nicht, denn er erkennt dann keinen Regen mehr.

Genug Abstand halten
Elsner fordert in der Installationsanleitung der Windancer 2.0 mindestens 60 Zentimeter Abstand nach unten, zur Seite und nach vorne zu anderen Bauteilen. Der Hinweis klebt sogar als Aufkleber auf den Geräten. Für dein Modell gilt die Montageanleitung des Herstellers. Typische Störquellen sind:
- eine Regenrinne direkt unter der Station: Regentropfen, die in die Rinne fallen, spritzen laut Bastian nach oben und können einen falschen Wind- oder Regenalarm auslösen.
- eine Wärmepumpe oder ein Klimagerät in der Nähe: Das Gebläse produziert seinen eigenen Wind, und der Windwächter misst fröhlich mit.
Richtig ausrichten, wenn du nach Helligkeit beschattest
Viele Wetterstationen haben drei Helligkeitssensoren für Ost, Süd und West. Damit jeder Sensor in die richtige Himmelsrichtung schaut, richtest du die Station auf der Nordhalbkugel genau nach Süden aus. Nur so verfolgt sie die Sonne über den ganzen Tag. Die genaue Vorgabe für dein Modell findest du in der Montageanleitung. Misst die Station nur Wind und Regen, spielt die Ausrichtung laut Bastian keine Rolle.
Weitere Stolperfallen
Selbst wenn Position, Abstand und Ausrichtung stimmen, können zwei Dinge die Messwerte noch verfälschen. Beide übersieht man bei der Planung leicht, weil sie auf den ersten Blick nichts mit der Technik zu tun haben:
- Vögel: Sie setzen sich gern auf Vorsprünge unter der Station. Für einen Vogel sieht ein warmes Sensorteil verdächtig nach Insekt aus, also pickt er daran herum. Plane die Montage deshalb so, dass es in direkter Nähe keinen Sitzplatz gibt.
- Dunkler Untergrund: Ein dunkles Dach oder schwarze PV-Module strahlen viel Wärme ab und verfälschen die Temperaturmessung zusätzlich.
Was solltest du für die KNX-Wetterstation im Rohbau vorbereiten?
Im Rohbau ziehst du ein eigenes KNX-Kabel bis zur geplanten Montageposition, wenn möglich im Leerrohr. Kläre außerdem früh, ob dein Modell eine zusätzliche Spannungsversorgung braucht. Später an der Fassade nachzurüsten macht nämlich keinen Spaß.
Unser Planungsstandard für die Wetterstation:
- Eigenes KNX-Kabel von der Verteilung bis zur Wetterstation, idealerweise im Leerrohr.
- Hilfsspannung prüfen: Manche Modelle brauchen zusätzlich 24 V DC, bei Elsner etwa für den Regensensor. Schau ins Datenblatt oder zieh gleich ein Reservekabel mit.
- Montageposition festlegen, bevor du das Kabel verlegst: Mast, Sat-Mast oder Giebel.
- Zusätzlichen Temperaturfühler im Schatten einplanen, wenn du eine verlässliche Außentemperatur brauchst.
Weitere Tipps für die Elektroplanung findest du in KNX-Planung – Tipps vom Profi.
Wie viele Windsensoren braucht dein Haus?
Für ein freistehendes Einfamilienhaus mit ein bis zwei Geschossen reicht in der Regel eine Wetterstation. Mehr Sensoren brauchst du, wenn Lage oder Architektur starke oder ungleichmäßige Winde erwarten lassen.
Mit zusätzlichen Windsensoren solltest du rechnen, wenn
- dein Haus hoch ist oder zwischen anderen hohen Gebäuden steht,
- es in Hanglage oder in den Bergen liegt, wo Aufwinde entstehen,
- die Architektur anspruchsvoll ist, etwa ein Kubus mit scharfen Kanten und großen Glasflächen, an denen sich der Wind verwirbelt.
Bastians Grundsatz: Lieber einmal zu viel einen Windalarm auslösen als einmal zu wenig. Ein Sturm kommt oft aus einer anderen Richtung als der übliche Wind. Die Form deines Hauses oder eine Hanglage erzeugen dann Strömungen, die ein einzelner Windwächter womöglich nicht mitbekommt.
Welche KNX-Wetterstation passt zu deinem Projekt?
Wetterstationen messen den Wind mechanisch, thermisch oder per Ultraschall. Welches Verfahren und welches Modell zu deinem Projekt passt, zeigen wir dir hier mit dem zweiten Video.
Fazit: So triffst du die Entscheidung
Hast du Raffstores oder eine Markise, gehört eine Wetterstation mit Windmessung fest in deine Planung. Mit Rollläden lohnt sie sich für die Beschattung. Und egal, für welches Modell du dich entscheidest: Leg die Montageposition früh fest und zieh im Rohbau das Kabel bis dorthin. Dann hat die Wetterstation auch die Chance, ihren Job zu machen.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich für Raffstores einen Windwächter?
Ja, Raffstores brauchen einen Windwächter direkt am Gebäude. Ihre Lamellen und Führungsseile sind windempfindlich, und ein Sturm kann sie beschädigen. Der Windwächter misst die Windgeschwindigkeit und fährt die Raffstores automatisch nach oben, sobald sie den eingestellten Grenzwert überschreitet. Online-Wetterdaten ersetzen ihn nicht, weil Wind sehr lokal ist.
Ab welcher Windgeschwindigkeit sollten Raffstores hochfahren?
Der Grenzwert richtet sich nach der Windwiderstandsklasse und den Herstellerangaben deines Raffstores. Die Norm DIN EN 13659 teilt Außenjalousien in Windwiderstandsklassen ein. Sie geben an, bis zu welcher Windgeschwindigkeit du eine Anlage betreiben darfst. Nach diesen Angaben stellst du den Grenzwert des Windwächters im Projekt ein.
Misst eine KNX-Wetterstation die Regenmenge?
Nein, der Regensensor einer KNX-Wetterstation meldet nur, ob es regnet oder nicht. Für Schutzfunktionen wie das Einfahren der Markise reicht dieses Ja/Nein-Signal völlig aus. Die Regenmenge zu messen ist technisch deutlich aufwendiger und gehört nicht zum Standardumfang einer KNX-Wetterstation.
Fachlich geprüft von Thomas Lübbeke, Geschäftsführer von CASAIO.

Jana Wilke leitet die Redaktion bei CASAIO und ist Co-Autorin des Buches „Dein Weg zum Smart Home“ sowie des zugehörigen Arbeitsbuches „Dein Smart-Home-Planer“. Als ausgebildete Lehrerin mit Hauptfach Germanistik liegt ihre Stärke darin, komplexe Smart-Home- und KNX-Themen verständlich aufzubereiten, damit Bauherren ihr Projekt mit einem klaren Plan angehen können.









